Gut zitiert!

Morgenwonne von Ringelnatz: Immer wieder gut!

Ich bin so knallvergnügt erwacht.
Ich klatsche meine Hüften.
Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
Es dürstet mich nach Lüften.

Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
Und gratuliert mir zum Baden.
Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
Betiteln mich „Euer Gnaden“.

Aus meiner tiefsten Seele zieht
Mit Nasenflügelbeben 
Ein ungeheurer Appetit
Nach Frühstück und nach Leben.

Von: Joachim Ringelnatz

(Foto: Maike Möller)

Heinrich Heine und ein Sommermorgen...

Am leuchtenden Sommermorgen geh ich im Garten herum.
Es flüstern und sprechen die Blumen,
Ich aber, ich wandle stumm.

Von: Heinrich Heine

(Foto: Maike Möller)

»Der archaische Erz-Engel vom Heiligensee«

Wer sich nähert, den stoßt nicht zurück,
wer sich entfernt, den haltet nicht,
und wer wiederkommt,
den nehmt auf, als wäre er nicht weg gewesen.

Von: Johannn Wolfgang Goethe

(Foto: Maike Möller)

Immer wieder


Immer werden wir wieder auf den sicheren schwankenden Pontons stehen und eine Freude in uns fühlen, einen Mut in uns merken und eine Kraft in uns kennen.

Immer wieder werden wir auf den Pontons stehen, mit dem Mut zum Abenteuer dieses Lebens, und den Atem der Welt unter unseren Füßen fühlen.

Von: Wolfgang Borchert

(Foto: Maike Möller)

Eine Zen-Weisheit


Still sitzen. Nichts tun.
Der Frühling kommt. Das Gras wächst.

(Foto: Pixabay)

Über den Februar

»Es ist gar kein übler Monat, dieser Februar, man muss ihn nur zu nehmen wissen.«

Von: Wilhelm Raabe


Psalm 84,11


Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild;
der HERR gibt Gnade und Ehre:
er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.

(Foto: Maike Möller)

Es gibt so wunderweiße Nächte

Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Diamantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.

 

Von: Rainer Maria Rilke


»Nur die Liebe zählt«

»Vor gar manchen Gedanken bleibt man im Zweifel befangen stehen, besonders wenn man die Sünden der Menschen sieht, und man fragt sich: „Soll man es mit Gewalt anfassen oder mit demütiger Liebe?“ Entscheide dich immer für „demütige Liebe“. Wenn du dich ein für allemal dazu entschlossen hast, so wirst du die ganze Welt bezwingen.«

Von: Fjodor Michailowitsch Dostojewski


Sich von Gott unterbrechen lassen

Ein Dienst, der in einer christlichen Gemeinschaft einer dem anderen tun soll, ist die tätige Hilfsbereitschaft. Dabei ist zunächst an die schlichte Hilfe in kleinen und äußeren Dingen gedacht. Es gibt deren eine große Zahl in jedem Gemeinschaftsleben. Keiner ist für den geringsten Dienst zu gut.

Die Sorge um den Zeitverlust, den eine so geringe und äußerliche Hilfeleistung mit sich bringt, nimmt meist die eigene Arbeit zu wichtig. Wir müssen bereit werden, uns von Gott unterbrechen zu lassen. Gott wird unsere Wege und Pläne immer wieder, ja täglich durchkreuzen, indem er uns Menschen mit ihren Ansprüchen und Bitten über den Weg schickt. Wir können dann an ihnen vorübergehen, beschäftigt mit den Wichtigkeiten unseres Tages, wie der Priester an dem unter die Räuber Gefallenen vorüberging, vielleicht – in der Bibel lesend (Lukas 10, 31). Wir gehen dann an dem sichtbar in unserem Leben aufgerichteten Kreuzeszeichen vorüber, das uns zeigen will, dass nicht unser Weg, sondern Gottes Weg gilt.

Es ist eine seltsame Tatsache, dass gerade Christen und Theologen ihre Arbeit oft für so wichtig und dringlich halten, das sie sich darin durch nichts unterbrechen lassen wollen. Sie meinen damit Gott einen Dienst zu tun, und verachten dabei den »krummen oder doch geraden Weg« Gottes.

Von: Dietrich Bonhoeffer